MEHR VIDEOS

Porträts Marketing Writer – Texterinnen und Texter

Porträts über unsere Experten und Studenten aus dem Studiengang CAS Marketing Writer – Texterin / Texter

Alexander Senn

Das Alter Ego als Sprachrohr

"Zwei Seelen wohnen, ach! In meiner Brust." Was Faust in Goethes gleichnamigem Werk sagt, trifft für viele Künstler zu. Zumindest für die Rapper. Alexander Senn tritt regelmässig unter seinem Künstlernamen "Sennetti" auf. Sennetti ist dabei nicht nur eine Kunstfigur, er ist vielmehr ein Sprachrohr – kritisch, vergleichend und vor allem spontan.

Alex Senn rechnet nicht in Zeilen, er rechnet in Bars – die Zeilen im Rap-Text. Das sagt ihm, wie viel Zeit er im Stück für seine Texte zur Verfügung hat. Wann setzt er ein? Wie lange darf er reden? Das hängt vom Beat ab. Wenn er als Sennetti auftritt, ist vieles geplant, organisiert, fixiert. Er plant seine Auftritte in Eigenregie. Mit viel Hingabe, Freude und Zeitaufwand. Aber wenn er auf der Bühne steht, der Beat beginnt und sein Einsatz naht, rappt er spontan. Er rappt, ohne einen Text vorbereitet zu haben – als Freestyle. So, wie ihm an diesem Tag der Schnabel gewachsen ist. Immer mit Inhalt, immer im Reim.

"Mich faszinieren am Rap die Wort-Akrobatik, das Sprachgefecht und das Pro und Kontra, das Auf und Ab. Dabei muss der Text den Zuhörern das Grinsen ins Gesicht treiben!", schwärmt Alex. Den Künstlern geht es beim Rappen um den Spass und um die Freude an der Sprache. Aber Künstlern wie Sennetti geht es nicht nur darum: Sie wollen darüber hinaus eine vernünftige Botschaft vermitteln, um ihren Beitrag an unseren moralischen Kompass zu leisten. So wird aus Alex Senn auf der Bühne "Sennetti, das Sprachrohr", das kritische Fragen stellt, sie selber beantwortet oder uns die Fragen beantworten lässt.

Inspiration aus der Grossstadt

Woher holt sich Alex die Inspiration für seine Fragen? Er beobachtet die Servierdame beim Kaffeeverschütten, den über seiner "20 Minuten"-Zeitung eingenickten Pendler in der S-Bahn und die Bankerin am verregneten Paradeplatz beim Abbrechen ihres angerissenen Absatzes. "Der Grossstadtdschungel bietet mir genug Inspiration für meine Song- und Slam-Poetry-Texte", erklärt der gebürtige Deutsche. Alex hat an der renommierten Kingston-Universität in England studiert. Und von Kingston aus hat er in Spanien ein Auslandssemester belegt. Die Geschichten für seine Texte holt er von den Menschen, die sie erleben, und verfasst sie für die Menschen, die sie brauchen. Und er hat schon einige Seiten von ganz unterschiedlichen Menschen kennengelernt: die Seiten von Deutschen, Schweizern, Spaniern, Engländern und Engländern in Spanien.

Andri Perl

Kein Statist, sondern der Hauptdarsteller

2002 hat die erste CD des Rap-Kollektivs Breitbild das Presswerk verlassen. Rund acht Jahre danach hat Breitbild-Rapper Andri Perl seinen ersten Roman "Die fünfte, letzte und wichtigste Reiseregel" veröffentlicht. Andri ist keinesfalls "Statist in seinem eigenen Leben", wie es der Refrain des gleichnamigen Liedes seiner Debüt-CD benennt. Er hat die Zügel fest in der Hand. Und bald auch seinen zweiten Roman "Die Luke". 

Kurz vor dem Jahr 2000: Überall in der Schweiz hatten sich Hip-Hop-Künstler formiert – es war die Zeit des schweizerdeutschen Sprechgesangs. Unter den Künstler befand sich Breitbild, das Kollektiv aus Chur. Ihre erste CD handelte vom Handeln selbst. Sie beantwortete eine wesentliche Frage, die junge Akteure an sich selbst stellten: "Bin ich nur ein Statist in meinem eigenen Leben?" Es ging darum, die Kontrolle zu übernehmen, zu agieren, anstatt zu reagieren. Das Lied handelte von dem, was Breitbild-Rapper und CAS-Texter-Dozent Andri Perl nun seit über zehn Jahren eindrücklich demonstriert: Nur wer die Zügel selber in der Hand hält, bestimmt, wo die Reise hingeht.

Andris nächste, noch lange nicht letzte und wichtige Reise führt ihn auf seinen zweiten Roman zu, der bald erscheinen wird – "Die Luke". "Mit einer ersten Fassung bin ich durch", so Perl. "Jetzt überarbeite ich noch einmal das Ende, das wichtige Erinnerungsstück eines Buches". 

Bereits vor drei Jahren hat sich Andri sich in der Schweizer Literaturgemeinde einen Namen erschaffen. Sein erster Roman hat die Verkaufskassen ordentlich klingeln lassen. Nun geht es einmal mehr darum, im Alltäglichen das Poetische zu finden. 

Die Würde der Nebenfiguren wahren

War die EP "Statischt" Andris Startschuss für seine berufliche Zukunft? In gewisser Weise war sie tatsächlich ein Anfang. Er setzte sich damals schon intensiv mit Nebenfiguren in seiner Rap-Lyrik auseinander. Genauso, wie er es heute mit seinen Nebenfiguren in seinen Romanen macht. Wie behandelt ein Autor also Figuren, die zwar nicht im Zentrum der Geschichte stehen, diese aber wesentlich mitprägen? Es ist für ihn wichtig, dass er Nebenfiguren mit Sorgfalt behandelt: "Eine Geschichte kann an seinen Nebenfiguren scheitern; dümmliche Charaktere rauben dem Text die Würde", betont Andri. Die Würde der "Statisten" gilt es, zu wahren. Denn in der Sorgfalt mit Nebenfiguren widerspiegle sich auch ein Stück weit der Charakter des Autors, meint Andri. 

Schreiberische Raffinessen gilt es also, beim Roman-Schreiben zu pflegen. Die Sprache im Text muss Qualität haben. Stil und Rhythmus. Für Andri, den Musiker und Autoren, hat Sprache auch immer musikalische Qualität. Sie lebt vom Klang, von der Melodie und vom Taktgefühl. Deshalb haben ihn seine Rap-Texte geprägt. Und gerade deswegen leben seine Romane – durch klare Konzeption, starke Rhythmen wie im Rap und durch würdevollen Statisten.

Benedikt Lachenmeier

Mit Blick hinter die Fassaden der Szene

Benedikt Lachenmeier textet über die aufgehenden Sternchen und die gefallenen Stars. Als Musik-Journalist für "Blick am Abend" schaut er hinter die Fassaden der Musikszene – mit dem Blick eines Wirtschaftspsychologen. 

Das Verhalten der Konsumenten studieren, Märkte erforschen oder Marketingstrategien planen: Das sind die typischen Tätigkeiten von Wirtschaftspsychologen. CAS-Texter-Absolvent Benedikt Lachenmeier hat Wirtschaftspsychologie studiert. Aber er untersucht nicht das Kaufverhalten der Konsumenten, sondern er schreibt über die Eskapaden der Musiker. Als Musikjournalist für den "Blick am Abend". Ein Beruf, der ihn seine Vielseitigkeit ausleben lässt und ihn das Schreiben unter hohem Zeitdruck gelehrt hat.

Wo ihn seine Beine hintragen

Dass es Benedikt nach dem Studium in eine andere Richtung gezogen hat, zeigt, dass er sich gut und gerne von seiner Intuition leiten lässt. Beruflich hat er den Weg des kreativen Schreibers und Journalisten eingeschlagen. Und privat? Auch in seiner Freizeit demonstriert er, dass sein Körper Beine hat – er komponiert Lieder als Sänger und Gitarrist in der Pop-Wave-Band «My Body Has Legs». Dieser Name kommt nicht von irgendwoher. Er ist eine implizite Aufforderung, aufzustehen, das Sofa für einen Moment Sofa sein zu lassen und zu tanzen. Die Devise heisst: in Bewegung bleiben.

Handliche Helikopter und kuriose Hinweisschilder

Drei Worte sind für Benedikt zentral: das "Erschaffen" von Ideen, das "Rumtüfteln" damit und das "Umsetzen" dieser Ideen. Diese Worte nehmen den grössten Teil in seinem Leben ein. Aber das gleicht er aus. Mit anderen Worten: Nicht immer setzt Benedikt auf Ideenreichtum. Wobei das "Rumtüfteln" für manch andere seiner Freizeitaktivitäten durchaus zutreffend ist. Wie für das Modellhelikopter-Fliegen. Und das "Umsetzen" auch als "Sammeln" verstanden werden kann, wenn er merkwürdige Hinweisschilder sammelt: "Ich stosse manchmal auf Hinweisschilder, die so köstlich unsinnig sind, dass sie früher oder später bei mir in der Wohnung hängen müssen!", lacht Benedikt. 

Modellhelikopter, Schilder, Musik: Vielleicht liegt es an ihrer Vielseitigkeit, dass gute Texterinnen und Texter immer dann die passenden Schlagzeilen und Textideen haben, wenn sie diese brauchen. Aber woher kommt die finale Eingebung letztendlich? Es bleibt meistens dem Moment überlassen. Dieser Ansicht ist auch Benedikt: «Dass die Ideen für den Text von irgendwoher kommen, genau das macht den Job als Texter eben so spannend!» Vielleicht nützt es Benedikt, wenn er Schilder jagt, der Gravitation trotzt oder Saiten zupft. Hauptsache ist, er bewegt sich vorwärts – mit Geist und Körper. Dafür hat sein Körper Beine.

Brigitte Baur

Ein Garten voller schöner Texte

Sie zupft Unkraut, schneidet Buchskugeln und textet Websites. Die selbstständige Texterin und Werberin Brigitte Baur arbeitet nicht nur an der Ästhetik ihrer Texte, sondern auch an der Schönheit ihres Gartens. Ihr Beruf erfordert Köpfchen, ihr Hobby verlangt Fingerspitzengefühl – aber beides ist etwas fürs Auge. 

Gärtnerinnen und Gärtner beseitigen Unkraut. Für die Texter ist das "Unkraut" der Wortballast. Überflüssige Wörter, die wie Blei auf der Verständlichkeit der Texte liegen. Was zeigt uns der Vergleich? Er zeigt, dass wir in unterschiedlichen Tätigkeiten immer wieder auf dieselben Probleme stossen. Aber wir können davon profitieren – wie Brigitte Baur. 

Ein "kreatives" Geschäftsmodell 

Brigitte Baur ist Inhaberin der Text- und Werbeagentur «Worte verbinden». Sie textet momentan für mehrere Websites, schreibt Interviews oder gestaltet Tickets, Flyer und Plakate für ein Musical. Kurz: Ihrer Agentur geht’s gut. Auch deshalb, weil Brigitte Baur nicht nur textet, sondern auch gestaltet und berät? "Ich liebe es, meine kreative Ader nicht nur im Text, sondern auch im Design auszuleben!", schwärmt sie. Ihr Geschäftsmodell funktioniert. Es spart ihren Kunden Zeit und Geld. Das ist ihre Stärke. Aber nicht nur das: Eine permanente Weiterbildung sei ohnehin sehr wichtig für eine selbstständige Person. Auch wenn man glaubt, schon zu wissen, wie der Hase läuft, schmunzelt die Absolventin des CAS Texterin der Text Akademie.

Ihre Wörter verbinden Kunden

Als selbstständige Texterin sieht Brigitte, wie sich die Branche entwickelt. Und was sieht sie genau? Sie sieht, dass für Unternehmen die Websitetexte leider noch zweitrangig sind. Programmierung steht vor Content. Aber sie sieht auch, dass Broschüren und Anzeigen origineller sein dürfen als früher. Ausgefallener. Auffallender. Nach dem Motto: Wer gute Texte sät, wird neue Kunden ernten. Und Neukunden werden durch originelle, professionelle Arbeit neugierig. 

Brigitte Baur: "Meine Neukunden verlangen manchmal sogar nach dem gleichen Broschürenkonzept, wie ich für die Konkurrenten erstellt habe. Was der eine hat, will der andere eben auch." Der Erfolg ist Brigitte Baur nicht in den Schoss gefallen. Wenn sich die Kunden heute gegenseitig zu "Worte verbinden" drängen, dann dank Brigitte Baurs Know-how, ihrer Kreativität und ihrer jahrelanger Erfahrung.

Christian Sidow

Von Goethe bis Lady Gaga

Sie verstehen den tieferen Sinn von Goethes Gedichten, wissen über Lady Gagas Herbstgarderobe Bescheid und kennen die Lebensqualität im neuen Löwenbräu-Areal: Der breite Horizont guter Texterinnen und Texter ist ihre Stärke – wie bei Christian Sidow. Er textet, er boxt, und wenn es um den Zürcher Kreis 5 geht, erkennt er darin die grossen Metropolen der Welt.

Wissen über dies und das – und darüber hinaus: Der unstillbare Wissensdurst für alles Mögliche ist in manchen Berufen kaum wegzudenken. Ganz besonders im Texterberuf. Christian Sidow ist Senior Texter bei Weber Harbeke Partners in Zürich. Er sieht im breiten Horizont der Texter ihre Stärke. Und er weiss seine Stärke im Beruf einzusetzen: Vor drei Jahren textete er die Broschüre "Neighbourhood" – auf Deutsch Nachbarschaft – für die Wohnüberbauung Löwenbräu Black, die voraussichtlich im Sommer bezugsbereit sein wird. Mit dieser Broschüre hat Christian Sidow die Texterfeder des Swiss Text Award 2010 gewonnen. Er hat die richtigen Emotionen angesprochen, hat die richtigen Bilder ausgewählt und er hat mit den richtigen Leuten zusammengearbeitet. Und auch die Entscheidung der Jury ist goldrichtig gewesen.

Wohnen, wo Zürich auch Amsterdam ist

"Neighbourhood" hat eine klare Idee gezeigt: Das Zürcher Industriequartier Kreis 5 bietet uns den Lebensraum, den auch die Weltmetropolen bieten. Egal, ob New York, Paris oder Amsterdam. Die Texte hat Christian Sidow aufs Wesentliche zugespitzt, die Bilder könnten nicht besser passen. Was ist denn sein Geheimnis gewesen? "Meine Methoden sind nichts Geheimnisvolles, nur klares Nachdenken. Und ein gutes Team, mit dem man seine Ideen besprechen kann", erzählt Sidow. Wenn es also ein Erfolgsrezept gäbe, dann wäre es das Team: ein guter Art Director als Partner, ein scharfsinniger Creative Director und eine ortskundige Fotografin mit einem Sinn fürs Spezielle. So gewinnt man Texterfedern.

Schlagkräftige Argumente

Was ist das Spezielle an kreativen Ideen? Man kann nie planen, woher man sie bekommt. Damit mussten sich schon Goethe, Lady Gaga und müssen sich auch Texterinnen und Texter auseinandersetzen. Worin sich viele Texter einig sind: Das körperliche Wohlbefinden hilft, klare Gedanken zu fassen – und schlussendlich die Ideen mit dem gewissen Etwas zu finden. Christian Sidow zieht dafür die Boxhandschuhe an, setzt den Zahnschutz ein und steigt in den Boxring – in Pino Coppolas Boxkeller. "Nach einem langen Tag muss ich den Körper bewegen und meinen Geist auf etwas richten, das nichts mit Kommunikation zu tun hat. Auf einen Sandsack oder einen Sparringspartner." Das hilft Christian Sidow, damit seine Werbeideen bei Weber Harbeke Partners dann sprudeln, wenn er sie braucht. Boxen scheint dafür wie geschaffen zu sein. Und ähnelt auch dem Texten: Man sucht das Überraschende, versucht, schlechte Ideen abzublocken, und wenn der Moment da ist, liefert man schlagkräftige Argumente.

Christoph Soltmannowski

Das Leben der Anderen – schwarz auf weiss

Er ist Chefredaktor des Magazins "Schweizer Illustrierte event." und er lektoriert und produziert das Buch für das Cabaret Divertimento. Christoph Soltmannowski lässt hinter die Kulissen des Schweizer Cabaretduos blicken. Wie damals, als er als Journalist für den "Blick" und die "Schweizer Illustrierte" hinter die Fassaden Hollywoods schaute.

Ab Mai lachen die Fans von Jonny Fischer und Manuel Burkart nicht nur im Theatersaal, sondern können sich auch lesend amüsieren. Denn das Cabaret Divertimento veröffentlicht erstmals ein Buch über seine Geschichten der letzten zehn Jahre. Alle Hochs und Tiefs, alle Lacher hinter und vor der Bühne. Produktionsleitung und Lektorat hat Christoph Soltmannowski übernommen, ehemaliger Kinokritiker, Journalist und Liebhaber der grossen Bühne. Dabei interessieren ihn vor allem die Geschichten hinter den Kulissen.

Arnold Schwarzenegger, Robin Williams oder Madonna. Für sie ist Christoph Soltmannowski durch die Welt gereist, hat sie schon alle zum Interview getroffen. Der damalige Blick-Journalist hat die grossen Gala-Abende besucht, die grossen Stars getroffen und sie ausgefragt: über ihren neusten Film, über ihre neuen Lebenspartner – über das, was sie wirklich bewegt. Das Gesprächsklima war meistens angenehm, die Stars offen und freundlich. Und sie haben druckreif geredet: "Die ganz grossen Stars sind entspannt, locker und wissen genau, welche Aussagen Journalisten gut verwenden können. Bei vielen altgedienten Promis ist jede Antwort mit einer guten Pointe gewürzt", schwärmt Soltmannowski.

Techno und Texter

1992 war Christoph Soltmannowski Geburtshelfer eines grossen Zürcher Events – ohne sich dessen Bedeutung damals bewusst zu sein. Er ist nämlich einer der drei Gründer der weltberühmten Street Parade. Wie kommt aber ein Journalist mit der Vorliebe für Musicals. Opern und Kinofilme auf eine Techno-Parade? Wegen "Sputnik", des Szene-Magazins. Er hat damals die Lancierung des Magazins vorangetrieben; es war sozusagen der erste Flyer zur Parade. Dass die Street Parade – anfänglich eine Demonstration mit knapp 1000 Leuten – zu einer der grössten Massenveranstaltungen der Welt würde, damit hat Christoph Soltmannowski nicht gerechnet. "Für mich ist es heute noch eine Demonstration. Nicht gegen etwas, sondern für etwas. Für eine positive, fröhliche Lebenshaltung." 

Christoph Soltmannowski reist heute nicht mehr um die Welt, auch die Tätigkeit als Mediensprecher der Street Parade hat er abgegeben. Seit bald zehn Jahren befragt Christoph Soltmannowski unter anderem die Studentinnen und Studenten der Schweizerischen Text Akademie. Er ist Prüfungsexperte für die Studiengänge CAS Texter, CAS PR-Redaktor und CAS Corporate Publisher. Und er will alles wissen. Alles tief verborgene Wissen seiner Prüflinge ruft er ab, treibt sie dazu an, noch tiefer nach Wissen zu suchen. "Das ist oft genauso spannend wie bei den grossen Filmstars", sagt Soltmannowski. "Jede und jeder der Prüflinge ist anders, und nicht selten überraschen sie mich mit originellen und erhellenden Antworten." 

Jacqueline Achermann

Texten zwischen Windeln und Gemüsebrei

Jacqueline Achermann ist die neue Texterin und Redaktorin für die Klubschule Migros Luzern. Sie hat Ehrgeiz, die Texterfeder und einen zwei-jährigen Sohn. Dabei war es nicht immer einfach – das Leben zwischen dem Texten, Lernen und dem Windelwechseln.

Seit Januar arbeitet Jacqueline Achermann bei der Klubschule Migros Luzern. Sie textet, redigiert und konzipiert für die Klubschulen. Für interne wie externe Publikationen – sie schreibt wöchentlich fürs ›Migros-Magazin‹. Das Thema: Lernen. Seit einiger Zeit scheint sich Jacquelines Leben ganz ums Lernen zu drehen. Sie schreibt über das Fremdsprachen-Lernen im ›Migros-Magazin‹, büffelt selber für den MAS in Writing & Corporate Publishing und bringt seit zwei Jahren ihrem Sohn Moris das Leben bei. Schule, Kind und Beruf zu koordinieren, ist nicht immer einfach gewesen. Aber wo ein Wille ist, ist auch ein Weg. Und Jacqueline hat ihren Weg zielstrebig weiterbeschritten – bei ihrer zweiten CAS-Prüfung auf dem Weg zum Master war sie im neunten Monat schwanger: «Die Zeit war sehr turbulent. Die Prüfungsvorbereitung hat mir den Magen auch ohne Kind im Bauch umgedreht», witzelt sie. 

Seit zwei Jahren kombiniert Jacqueline Achermann Familie, Beruf und Ausbildung. Das nächste CAS hat sie schon ein Jahr nach Moris’ Geburt mit Bravour absolviert. Wie hat sie das Muttersein, die Ausbildung und den Beruf unter einen Hut gebracht? Mithilfe des Partners und der Eltern – den Unterstützern in der Not. Sie halten ihr den Rücken frei, wo es nur geht: an E-Classroom-Abenden, für Studienarbeiten, bei der Prüfungsvorbereitung. Immer dann, wenn sich Jacqueline aufs Texten und Konzipieren konzentrieren muss.

Wiedereinstieg und Windeln wechseln

Der Wiedereinstieg ins strenge Berufsleben einer Texterin verläuft nicht immer reibungslos. Jacqueline kennt die Stellen, wo sich der Beruf und das Muttersein reiben. Ist es der gedrängte Tagesablauf, der Probleme bei der Koordination von Kind und Beruf bereitet? Oder die Eingliederung in ein neues Team? Die Koordination stellte für Jacqueline keine grosse Hürde dar, das Team nahm sie mit offenen Armen auf. Das Problem war der Schreibprozess: «Meine frühere Gelassenheit und meine Kreativität sind mir durch meine neue Rolle als Mutter etwas abhandengekommen – irgendwo zwischen den Windeln und dem Gemüsebrei-Mix. Die zündende Textidee liess deshalb manchmal auf sich warten.» 

Da hilft nur die Übung, die Routine. Ihre Kreativität, die ihr 2010 zur Texterfeder – dem Swiss Text Award – in der Kategorie Junior-Texter Digital Publishing verholfen hat, hat sie wiedergefunden. Sie, die Mutter, Projektleiterin und Freelancerin. Ihr Beispiel zeigt, dass neue Lebenssituationen etwas Zeit brauchen. Und dass ambitionierte Texterinnen und Texter ihre Ziele erreichen – für Moris, Müeslibrei und die Migros.

Jens Brüggemann

Der Werbetexter im Glanz des Journalismus

Content Marketing – oder Brand Journalism – hat seinen festen Platz in der Unternehmenskommunikation. «Naturstrom-Magazin»-Chefredaktor Jens Brüggemann ist ein kreativer Texter, der die Kombination aus Information und Werbung einzusetzen weiss. Etwas, das er schon immer gewusst hat. 

Chefredaktor Jens Brüggemann leert zusammen mit seinem Team den übers Jahr aufgefüllten Themenpool und verknüpft druckwertige Themen mit den übergeordneten Kommunikationszielen der EKZ, den Elektrizitätswerken des Kanton Zürich. 

Das, was Jens Brüggemann tut, ist die integrierte Kommunikation, das ist sogenannter Brand Journalism. Er plant die Artikel, die Interviews und die Reportagen und achtet darauf, dass das Magazin seine Aufgaben erfüllt: Inhalt bieten und Mehrwert schaffen. Und das alles im Glanz der Marke EKZ.

Chefredaktoren lenken. Eine Aufgabe, die Jens Brüggemann, dreifacher Familienvater und Segler, kennt. Das EKZ «Naturstrom-Magazin» lenken bedeutet für ihn nicht nur Content Marketing betreiben; es ist viel mehr: «Es geht bei dem Magazin in erster Linie nicht darum, neue Kunden zu finden. Ich will den Kunden vor allem in seiner Denkhaltung bestätigen; seine Idee, Naturstrom zu beziehen, ist richtig gewesen», so Brüggemann. Er will Kommunikations- und Marketingbotschaften unter einen Hut bringen, sozusagen die Reportage mit der Anzeige verschmelzen lassen. Und damit den Kunden etwas zurückgeben. 

Wo Schreiben auch Texten ist

Jens Brüggemann – ausgebildeter CAS-Texter – textet fürs Marketing und schreibt für die PR. In letzter Zeit vor allem Websites. Aber wo lohnt sich der Werbeblick im PR-Text? «Kurztexte verfassen ist die Paradedisziplin von Werbetextern. Davon profitiert auch ein Magazin, wenn der Redaktor eine grosse Menge Inhalt in wenige Worte verpacken muss. Das ist eine Kunst!», erzählt Brüggemann. Und diese Kunst hat Zukunft, meint er. Redaktoren, die auch kurze Werbetexte verfassen können, und Werbetexter, die journalistisch denken.

60 Minuten in fünf Zeilen

In seinem Fall ist Kunst das richtige Wort. Für die Kunst der Musik hat er schon getextet – CD-Rezensionen für die Musikplattform Laut.de. Wobei er nicht in jedem Musikalbum auch Kunst entdeckte. Jens Brüggemann schob damals die Platten ein, decodierte die Musik in Worte, und was dabei herauskam, waren 60 Minuten auf fünf Zeilen. Zeilen, die umschrieben, würdigten, kritisierten. Und die vermittelten – zwischen Musiker und Zuhörer.

Diese Zeilen waren das Erzeugnis eines kritischen Texters, der bis heute den Blick fürs Wesentliche behalten hat. Und wofür? Damit er – der Werbetexter und Medienwissenschaftler – als Chefredaktor im Corporate Publishing glänzt und brilliert. Durch das Gespür für die deutsche Sprache, mit den werberischen Gedanken eines Redaktors und dem Wortwitz eines CD-Kritikers.

Martina Caluori

Weg vom «routinierten Denken!»

CAS-Texter-Absolventin Martina Caluori mag es kreativ: Sie schreibt Gedichte, textet bei Blogwerk und wird vielleicht einmal ein Drehbuch schreiben. Die Hauptsache ist, sie erzählt eine Geschichte. 

Sie sitzt da, allein. Die Auswahl ist gross – Karte? Will ich nicht. So beginnt Martinas bereits veröffentlichtes Gedicht «Tee». Was sie im Gedicht inszeniert, sind ihre Gedanken im Café. Der innere Dialog darüber, welche Teesorte wohl ihrer Stimmung gerecht wird. Aber gut Ding will Weile haben, wie uns das Gedicht lehren will. 

Von «routinierten Gedanken» im kreativen Schreiben will sich Martina fernhalten. «Ich will beim Schreiben vom Gewohnten weg. Ich will Unerwartetes, Überraschendes und Neues aufs Papier bringen», erzählt Martina. Aber was ist für Martina ein routinierter Gedanke? Keinesfalls setzt sie Routine mit Erfahrung gleich. Ihr geht es darum, zu schreiben, wie noch niemand gedacht hat. Sie will im Text aussergewöhnliche «Denk-Perspektiven» einnehmen. Diesem Thema hat Martina ein Gedicht mit philosophischem Charakter gewidmet, in dem sie darüber nachdenkt, wie es ist, wenn es ist.

Mit Wörtern Brötchen verdienen

Martina schreibt nicht nur leidenschaftlich gerne Gedichte, sie ist dem Wort und der Sprache auch beruflich verpflichtet: Sie ist Texterin bei Blogwerk, wo sie Newsletter textet, Social-Media-Kanäle bedient und wo sie bloggt. Dass ihr der Job als «Blogwerkerin» gefällt, ist die logische Konsequenz aus ihrer Freude am Schreiben, ihrer Vorliebe für gute Filme und ihrer Erfahrung in den Medien: Vor ihrer Ausbildung zur Texterin an der Schweizerischen Text Akademie hat sie Publizistik und Filmwissenschaften studiert. Ein Studium, das sie vielleicht sogar einen Schritt in Richtung Drehbuchautorin gebracht hat? «Das Drehbuchschreiben reizt mich sehr. Es ist aber zeitintensive Fleissarbeit; die Zeit fehlt mir momentan.»

Verzichtet Martina überall auf «routiniertes Denken»? Keineswegs. Nicht dort, wo «freie» Gedanken hinderlich sind – wie beim Schwimmen etwa. Sie, die ehemalige Wettkampfschwimmerin, springt heute noch ins Wasser, wenn sie den Kopf mal durchlüften will. 

Weg von verblassten Verben

Was wird wohl die Texterwelt zukünftig von Martina Caluori lesen? Egal, was sie schreiben wird: Es wird die Gedanken der Leser weg vom routinierten Denken führen – weg von Phrasen, verblassten Verben und aufgebrauchten Wendungen.

Nicole Urweider

Trockeneis, Druckluft und Sehnsucht

Lieder und Werbetexte handeln von unterschiedlichen Dingen. Aber sie erzählen beide oft Geschichten. Nicole Urweider schreibt Lieder und Werbetexte. Sie ist eine Texterin, die nicht nur im Werbebrief die richtige Tonalität trifft, sondern auch die richtigen Töne im Lied. Eine Texterin, die von Trockeneis, Druckluft und Sehnsucht erzählt.

Nicole Urweider schreibt für die Asco Kohlensäure AG Website-Texte, Direct Mailings oder Pressemitteilung. Momentan textet Nicole Urweider die neue Website für eine Tochterfirma von Asco. Das Thema der Texte: Druckluft. Sie schreibt über Druckluftkompressoren, über Anwendungen von CO2, über das Trockeneis-Reinigen von verschmutzten Oberflächen. Nicole Urweider verleiht ihrem Arbeitgeber eine verständliche Sprache in allen technischen Belangen. Sie löst das komplexe Thema auf die kleinstmögliche verständliche Gleichung auf. Eine Gleichung, die alle Leser verstehen: Trockeneis-Strahlen bedeutet eine schonende Reinigung. 

Obwohl sich Nicoles Texte gleichen, Parallelen haben, sind sie doch unterschiedlich. Genau wie Nicole selbst. Denn wenn man einen Blick in ihr Text-Portfolio wirft, entdeckt man zwei Seiten an ihr: Man sieht Nicole Urweider, die Texterin für Wissenschaft und Technik, und man sieht Nicole Urweider, die Verträumte, die Musikerin, die Kreative. Sie ist nicht nur Texterin, sondern auch Songwriterin und Künstlerin. Eine Kombination, die es vielleicht für eine gute Songwriterin braucht? Es gibt Anzeichen dafür: «Bei meinem ersten selbst geschriebenen Lied – ›Nur geträumt‹ – hatte ich keine Idee für den Refrain. Ein Bekannter half mir, den Refrain zu finden, das Lied zu Ende zu schreiben. Und: Er war ebenfalls Journalist!», erinnert sich Nicole. 

Stilmittel im Lied und im Text

Welches grosse Ziel verfolgt ein Inserat oder ein Werbebrief? Sie müssen eine Erlebniswelt aufbauen. Das Inserat soll dem Betrachter eine Welt zeigen, die es gilt, zu erleben, sogar zu leben. Das gleiche Ziel verfolgen auch Nicoles Lieder. Dabei entdeckt sie immer wieder Parallelen zwischen dem Lied und dem Werbetext. Sogar ähnliche Stilmittel: Ihre Stimme ist ihre Tonalität im Werbebrief, die Pianoklänge verdeutlichen die Stimmung, wie die reizvollen Worte im Inserat. Und sogar der Background-Gesang unterstützt ihre Aussagen im Lied, genau so, wie das Textdesign ihre Aussagen, ihre Argumentation im Text führt. 

Nicole erzählt mit viel Hingabe von ihren Liedern. Ihre Texte für Asco handeln von CO2, Trockeneis und Druckluft. Und ihre Songtexte? Vom Melancholischen, vom Traurigen, von der Sehnsucht: «Das Lied ›Nur geträumt‹ handelt von dem Gefühl, das wir im Traum spüren. Wie wir aus dem Traum erwachen und uns wieder in den Traum zurücksehnen», erklärt sie. Nicole schafft in ihren Liedern Gefühle und zeigt in ihren Texten technisches Wissen. Wie schafft sie den Spagat nur immer wieder? Indem sie mit ihrer harten Seite ihre weiche Seite unterstützt – und umgekehrt.

Serge Hediger

Die Medizin gegen schlechte Texte

Als Texter für Gesundheits-Themen hat sich Serge Hediger einen guten Ruf geschaffen. Seit über sieben Jahren schreibt, redigiert und konzipiert er im Namen der Gesundheit: früher fürs CSS-Magazin, heute für die Zur Rose AG.

Im Journalismus ist die Spezialisierung – die Wahl für ein Fachgebiet – keine Seltenheit. Und sogar in der Unternehmenskommunikation gibt es diese Spezialisten. Texter und Redaktor Serge Hediger ist Inhaber von "Hediger.Text" und er hat sich spezialisiert. Gewollt und überlegt. 

Seit mehr als sieben Jahren gehören die Prophylaxe in der Dentalmedizin oder die Work-Life-Balance von Media-Saturn-CEO Karsten Sommer zu den Themen seiner Texte. Die Gesundheit ist sozusagen zu seiner Haupteinnahmequelle geworden. Ob die Spezialisierung auf ein Fachgebiet für einen selbstständigen Texter ratsam ist? Ab einem gewissen Alter durchaus. Für Serge Hediger ist klar: Es ist schwierig für Texterinnen und Texter reifen Alters, glaubwürdig über die Themen junger Leute zu schreiben. Da ist die Wahl einer Fachrichtung sinnvoll. Für ihn ist es wichtig, seine Würde als Texter zu bewahren. 

Armer Poet und langweiliger Mr. Bean

Wenn Serge Hediger heute einen Text für einen Kunden redigiert, erinnert er sich immer an das Wichtigste im Text – die Verständlichkeit. Aber auch an seinen schreiberischen Ursprung als Journalist beim Zürcher Oberländer. «Ich kam mir vor wie "Der arme Poet" im gleichnamigen Gemälde von Carl Spitzweg. Ich hatte eine kleine Wohnung, ein tropfendes Dach, aber ich schrieb andauernd.» Während dieser Zeit ist Serge Hediger zur Einsicht gekommen, sich als Journalist im Text zurückzunehmen. Das gilt heute nur noch bedingt, wenn man die Entwicklung der Texte im Web 2.0 betrachtet. Oder die Boulevardisierung: In einer Boulevardzeitung wie dem SonntagsBlick durfte damals auch Serge Hediger als Journalist den britischen Schauspieler Rowan Atkinson, alias Mr. Bean, im Interview als langweilig bezeichnen. 

In der Unternehmenskommunikation steht der Texter oder die Texterin als Person wieder im Hintergrund. Der Mittelpunkt in Serge Hedigers Text ist nun die Gesundheit. Früher in den Texten des CSS-Magazins, heute in den Publishing-Produkten von Zur Rose. Er hat als Texter der Textagentur.ch das Mandat der Versandapotheke Zur Rose AG übernommen. Die Wahl des Fachgebietes für seine Spezialisierung ist gut durchdacht. Das Gesundheitswesen deckt viele seiner Interessen ab. Die Interessen von Serge Hediger, dem Pilzsammler, dem Vater zweier Kinder, dem Chianti-Kenner, dem Gärtner.

Thomas Meyer

Wolkenbruch und Werbetext

Texter, Autor, Künstler: Alles in allem hat das kreative Schreiben Thomas Meyer vor langer Zeit von der Rechtswissenschaft abgeworben, in seinen Bann gezogen und nicht mehr losgelassen. Das Ergebnis: prämierte Texte, buchpreisnominierte Literatur und der stetige Wunsch, Neues zu lernen.

Die "Schickse". Jiddische, etwas abfällige Bezeichnung für eine nichtjüdische, leichtlebige Frau. So steht es im Duden, so steht es im Titel von Thomas Meyers Debütroman "Wolkenbruchs wunderliche Reise in die Arme einer Schickse". Eine Geschichte über kulturelle Unterschiede, Liebe und das Wesen des Menschen, nach mehr zu streben. Der Roman bedeutet sein Einstieg als Erfolg versprechender Autor in die Schweizer Literaturszene, aber keineswegs den Beginn seines kreativen Schaffens. Das begann viel früher.

Thomas Meyer wollte einst der Rechtswissenschaft dienen. Der Gerichtssaal schien aber der falsche Ort für einen Freigeist wie ihn zu sein. Und das ist gut so; wir hätten sonst womöglich auf seine Reportagen, Werbetexte und Kolumnen verzichten müssen. Und auf Texte, wie die "Aktion für ein kluges Zürich". Die Textkampagne war alles, was eine Textkampagne sein muss: öffentlich und offensiv. Sie bestand aus provokanten Fragen, die viele Leute zum Nachdenken und Hintersinnen anregten. Die Aktion brachte Thomas Meyer den Swiss Text Award 2010, viel Lob, Aufmerksamkeit und noch mehr Ansporn, Zürich klüger zu machen. Aber woher kommt die Leidenschaft, die Zürcher zum bewussteren Leben zu animieren? «Es ist dieselbe Leidenschaft, die mich selbst klüger, einsichtiger macht. Die Reaktionen auf meine Texte bestätigen, dass andere diese Leidenschaft auch teilen.»

Gedankenaustausch mit Hans Schmerz

Wer ist Hans Schmerz? Unter diesem Pseudonym hat Thomas Meyer seine ersten Texte übers Internet veröffentlicht, noch bevor die Web-User dieser Form des Textens den Namen Blog gegeben haben. Der gedankliche Austausch mit seinen Mitmenschen – gemeinsam den Horizont erweitern – treibt Thomas Meyer an. Damals wie heute. Früher übers Internet. Später als Onlinejournalist und Kolumnist. Und heute? Heute betreibt Thomas Meyer die Facebook-Seite "Historisches Zürich". Der Austausch um Wissenswertes geht weiter. Seine Ideen scheinen ihm nicht auszugehen.

Woher der Werbetexter seine Ideen nimmt, hängt von vielem ab: vom vernetzten Denken, von der Fähigkeit, die eigene Perspektive zu wechseln, aber auch von der Entscheidungskraft. «Ideen müssen entschieden werden, nicht diskutiert», so Thomas Meyer. Deswegen führt er seine eigene Agentur Meyertext. Er selber geht ganz entschieden an die Findung kreativer Werbeideen. Mit viel Ehrgeiz und Strenge. Und mit der Motivation, Neues zu lernen.

Nicole Trinkler-Jander

Für eine MAS-Thesis braucht’s immer zwei

Sie und ihre Familie haben für die Wissenschaft gekämpft: Die Masterarbeit hielt Nicole Trinkler-Jander sechs Monate lang in Schach, setzte sie aber definitiv nicht matt. Die selbstständige Texterin und PR-Journalistin balancierte Job, Familie und MAS-Thesis gekonnt aus – dank minutiösem Zeitplan und der Unterstützung der Familie.

Die Freunde stehen in der Warteschlange, Hobbys werden vorerst auf Eis gelegt: Eine Masterarbeit nimmt viel Platz in der Agenda der Absolventinnen und Absolventen des Studiengangs Master in Writing & Corporate Publishing ein – auch bei Nicole Trinkler-Jander. Neben wenigen Ritualen wie dem gemeinsamen Abendessen mit der Familie oder der Zvieri-Pause mit den Kindern hat sie während der Thesis kaum Zeit für anderes gefunden. Nun hat Nicole ihre Masterarbeit zum MAS in Writing & Corporate Publishing eingereicht. Das Thema, mit dem sie sich während der letzten sechs Monate beschäftigt hat, ist die Zielgruppen-Segmentierung im Corporate Publishing.

Ihr Forschungsthema glich im Grunde ihrem Alltag während der MAS-Thesis: Auch Nicole musste ihre Zeit «segmentieren». Sie teilte die Woche genau ein, legte fest, wann sie schrieb, ass und schlief. Und daran hielt sie eisern fest: "Ich habe jeden Tag strikt um 8.15 Uhr mit dem Schreiben begonnen und jede Nacht rund sechs Stunden geschlafen." Der Plan ging schlussendlich auf. Auch dank ihres Mannes, der die Wochenenden der Kinder managte, und aufgrund der Rücksichtnahme der Kinder, die geduldig ihre Mutter für die Wissenschaft entbehrten. Und die nun wissen, was Fussnoten sind.

Am Puls der Zeitung

Schreiben unter Zeitdruck? Für Nicole – ehemalige Hospitantin bei der "Bild Hamburg" – ist das ein alter Hut. Schnelles, genaues Recherchieren ist in einer Redaktion wie der Bild-Redaktion Alltagsmusik. Ein exakt eingehaltener Redaktionsplan ist das Lebenselixier, der Pulsschlag jeder Zeitung. Es ist der Rhythmus – die Routine, das genaue Schreiben, das detaillierte Planen – was Nicole von Hamburg nach Zürich mitgebracht und weitergeführt hat. Aber nicht nur das: Wer in rauem Redaktionsklima lernt, lernt auch, seine Augen auf die richtigen Geschichten zu richten. "Die Geschichten liegen im Grunde überall auf der Strasse. Man muss nur genau hinschauen und beobachten!", erzählt sie. Und gute Geschichten braucht sie in allen Texten, die sie für ihre Auftraggeber ihres eigenen Unternehmens schreibt – das Pressebüro Zollikon.

Hinterfragen und weitermachen

Die Geschichten – die Ideen – für die Texte zu finden, ist eine der grossen Herausforderungen einer Texterin oder eines Texters. Besonders in der Unternehmenspublizistik. Aber es ist nicht die einzige: Trotz genauer Planung gelangen Schreiberinnen und Schreiber immer wieder an einen Punkt, an dem sie nicht mehr weiter wissen. Bin ich auf dem richtigen Weg? Erkennen die Leser den roten Faden? Auch Nicole hinterfragt sich, durchlebt Hochs und Tiefs und überwindet immer wieder mal Frustmomente. Aber sie bringt ihre Texte – sei es eine Thesis oder ein Werbebrief, ein Katalogtext oder Texte für Webpages oder Imagebroschüren – immer wieder zurück auf Kurs. Getreu ihrer Devise: Alles, was sich zu haben lohnt, fällt einem nicht einfach in den Schoss.

Rita Capiaghi

Architektin mit Textbausteinen

Sie träumte vom Architekturstudium, aber in ihren Sternen steht deutlich: "Texterin". Rita Capiaghi führt ihre eigene Agentur Capiaghi Marketing und hat sich auf die Immobilienbranche spezialisiert. Weil sie schöne Gebäude liebt und die richtigen Worte dafür findet.

Sprache bildet das Fundament unserer Kommunikation – und Rita Capiaghis täglicher Arbeit. Sie liefert ihren Kunden Texte, Konzepte und Strategien als Grundgerüst für deren Marketingkommunikation. Diesen Weg hat sie vor langer Zeit eingeschlagen. Auch wenn das Texten für die Architektur, die Immobilienbranche, nicht ihre erste Berufswahl gewesen ist. Aber sie hat auf ihre innere Stimme gehört und ist dort gelandet, wo sie zweifellos hingehört, wie sie heute findet.

Das Texten steht in ihren Sternen

Rita wollte Architektin werden. Sie schnupperte zur falschen Zeit am falschen Ort, ihr Feuer fürs Häusergestalten entfachte sich nicht. Auch später kam sie ihrem vorbestimmten Beruf nur schrittweise näher – erst lernte sie den Umgang mit den Finanzen, dann kam das Marketing. Und später fing sie an zu texten. Eine Astrologin las ihr neulich die Sterne – ihr Geburtshoroskop – und sah darin, dass Rita ohnehin der Texterinnen-Beruf vorbestimmt war. War es Schicksal? Wer weiss. Sicher ist, dass das Texten ihr Herz eroberte.

Gewinnerin des Swiss Text Award

Dass Rita das Texten für die Immobilienbranche meisterhaft beherrscht, zeigen zwei preisgekrönte Arbeiten von ihr: die Broschüre fürs Cristal Centre Commercial in Martigny und die Broschüre über die Residenz Triangolo in Davos. Erstere hat ihr die Texterfeder am Swiss Text Award 2009 beschert, letztere das Nominierten-Diplom ein Jahr darauf. Ihre Erfolge zeigen das Offensichtliche: Rita fühlt sich in der Immobilienbranche zu Hause. "Ich liebe schöne Bauten, die ganze Architektur. Ich mag es, dass Gebäude für viele Generationen bestehen bleiben!", schwärmt Rita. Das seien schöne Voraussetzungen für die tägliche Arbeit.

Von Quadratmetern zu bezaubernden Bergwelten

Tägliche Arbeit: Das hört sich monoton an, aber in Ritas Welt ist es das nicht – Commercialisation Marketing ist ihre Spezialität. Das heisst, Rita textet oft für Gebäude, die erst gebaut, verkauft oder vermietet werden müssen. Dazu zählen auch das Cristal Centre Commercial und die Triangolo-Residenz in Davos – ihre zwei preisgekrönten Broschüren. Und das beeindruckt, wie ein Auszug aus der Jury-Bewertung ihrer Broschüre am Text Award zeigt: "Der Drahtseilakt zwischen Emotionen und Fakten ist vollends gelungen."
Von wo holt Rita die Inspirationen? Vor allem von ihrer Freude am Reisen: "In fremden Ländern bei fremden Kulturen finde ich Ideen, die ich wunderbar in meine tägliche Arbeit einfliessen lassen kann", schwärmt sie. Das Andere, das Neue neu definieren – das ist ihr Erfolgsgeheimnis: Sie begeistert andere fürs Neue.

Sabine Hunziker

Textkantine – Modeatelier für Texte und Konzepte

Texterin und Corporate Publisher Sabine Hunziker ist überzeugt: «Man muss seine Leser lieben.» Ihre Arbeit bedeutet ihr deshalb mehr als Fachkompetenz: Es geht ihr um Momente. Momente, an denen sie Formen, Farben und Bilder zu ihren Texten inspirieren. Momente, an denen sie jedes Detail liebt – wie eine Modedesignerin.

Sie hat ein Gespür für Formen und Farben. Sabine Hunziker entwirft, schneidert und näht ihrer Kleider selbst. Aus Freude am Gestalten. Und wenn es ums Gestalten geht, berücksichtigt sie jede Kleinigkeit. Beim Schneidern wie auch beim Schreiben. Sabine Hunziker liebt Details – sie machen Gewöhnliches aussergewöhnlich, lassen ein Magazin aus der Masse herausstechen, erzeugen Aufmerksamkeit.

Sabine Hunziker ist die Inhaberin der Corporate-Publishing-Agentur Textkantine und sie verschafft ihren Kunden Aufmerksamkeit. Wie? Indem sie selber aufmerksam ist – beim Meeting mit dem Kunden, beim Analysieren der Konkurrenz, beim Entwerfen von Konzepten und auch beim Texten. Sie achtet darauf, was Menschen bewegt – was sie motiviert. "Bei allen sachlichen Kommunikationszielen, die ich für meine Kunden erreichen will, vergesse ich eines nicht: Geschäfte werden zwischen Menschen abgeschlossen, nicht zwischen Firmen!", erklärt Sabine. Darum lesen sich ihre Texte über Privatbanken und Bundesämter so leicht. Darum schreibt sie Website-Texte vor allem für die Leser, nicht für die Suchmaschinen.

Natürlichkeit vor Google-Ranking

Sabine textet regelmässig Websites – ohne zu grosse Keyword-Dichte. Zwei bis drei Prozent genügen, mit Schlüsselwörtern müssen Texterinnen und Texter achtsam umgehen. Aber sind Keywords nicht ein wesentlicher Erfolgsfaktor im Web? "Auch. Aber Leser im Web haben es eilig: Sie überfliegen die Texte nur nach ihren Keywords. Ich integriere deshalb die wirklich passenden Keywords in die Schlagzeilen. So wirkt der Lauftext natürlich, darum geht’s."

Mit Herz texten

Ein Website-Text ist mehr als das blosse Aneinanderreihen von Schlagwörtern. Und gute Texterarbeit verlangt mehr als nur blosses Hinschauen und Schreiben. Deshalb sieht Sabine, was zwischen den Zeilen steht. Schreibt, was die Leser lesen wollen, ohne es zu wissen. Sabine ist Texterin und Corporate Publisher aus ganzem Herzen, weil sie ihr ganzes Herz in ihre Arbeit steckt.

Eine Frage bleibt noch: Weshalb heisst die Textkantine eigentlich nicht Textatelier? "Ich hatte zu Beginn meiner Selbstständigkeit kein externes Büro. Sitzungen fanden deshalb am Küchentisch statt – in der Textkantine quasi," schmunzelt Sabine.

Sandra Weber

Ein «dicker Wälzer» fürs Bücherregal

Sie isst kein Fleisch, trinkt keine Milch, aber ihre Schreibe hat Fleisch am Knochen. Sandra Weber hat im vergangenen Jahr zwei grosse Entscheidungen getroffen: Sie wird ihre Masterarbeit schreiben, und sie wird Veganerin und schreibt einen Blog darüber. Beides hat ihr Leben verändert, beides hat Umdenken erfordert.

Wer schon einmal eine wissenschaftliche Arbeit geschrieben hat, weiss, was das bedeutet: konsequent planen, immer wieder Literatur vergleichen, unendlich viel recherchieren. Und vor allem an kniffligen Stellen im Schreibprozess umdenken. Sandra Weber hat bei der Planung ihrer Thesis gewusst, dass sie flexibel bleiben muss. Denn nur eines ist bei der Planung einer Master-Thesis sicher: Termine werden wieder verschoben, Deadlines nicht immer eingehalten, Thesen nicht deutlich bestätigt. Aber eine genaue Planung hat Sandra gebraucht. Genauso wie eine konkrete Vorstellung davon, wie ihre Thesis später einmal aussehen soll.

Ihre Thesis soll erzählen – wie eine Geschichte. Das Thema: Kommunikation im urbanen Quartier. Aber wie stellt man wissenschaftliche Fragen zu diesem Thema? Wie beginnt man eine Arbeit, die es so noch nicht gegeben hat? Sandra hat notwendigerweise umgedacht: "Dass die Gemeinde ihre Bewohnerinnen und Bewohner über Quartierthemen informiert, davon konnte ich ausgehen. Aber ich wollte wissen, wie das Engagement der Bewohner und Bewohnerinnen mit dem Informationsfluss der Gemeinde zusammenhängt. Und welche Rolle die Social Media dabei spielen können", erklärt Sandra. Ihre Masterarbeit hat sie nun eingereicht, die erste grosse Entscheidung im letzten Jahr hat sie ins Auge gefasst, durchgezogen und beendet.

Veganer-Blog "Vlowers"

Das "Umdenken", das "Perspektivewechseln" ist eine Fähigkeit, die Texterinnen und Texter dringend brauchen. Sandra hat ihre zweite Entscheidung, ihr zweites "Umdenken", ihrer Ernährung gewidmet. Fleisch ist für sie schon lange tabu, Tierprodukte sind es seit dem letzten Jahr. Sandra ist überzeugte Veganerin geworden. Und sie versucht, uns über ihren Blog "Vlowers" von veganen Muffins, Soja-Cappuccinos und pflanzlichen Deo-Crème zu überzeugen. Sie lässt – entgegen der Redewendung – auf Taten Worte folgen.

Zwischen der veganen Lebenshaltung und dem kreativen Schreiben erkennt Sandra einige Gemeinsamkeiten: "Wenn ich ein Inserat konzipiere, muss ich Festgefahrenes, Gewohntes neu betrachten und daraus das unbekannte Neue kreieren. Beim veganen Kochen ist es im Grunde dasselbe", schmunzelt sie. Diese Gemeinsamkeit ist nicht das Einzige, was Sandra sieht, sondern auch das Verbesserungspotenzial in der Kommunikation für den Veganismus. Da bestehe noch Bedarf. Es darf ihrer Meinung nach nicht nur darum gehen, den Menschen das Negative am Fleischessen aufzuzeigen. Die Botschaften für den veganen Lebensstil sollen positiv sein, frisch und einfühlsam. Alles andere ist für Sandra Weber "weder Fisch noch Fleisch". Wie ihr Speiseplan.